unterschiedliche Menschentypen mit fröhlichem Gesichtsausdruck
25.11.2020

Welcher Ayurveda-Typ sind Sie?

Text: Ursula Mitteregger

Die alte indische Heilkunst Ayurveda bedeutet Lebenswissenschaft. Ihr liegt ein System zugrunde, das unser aller Leben als Menschen erklärt. Drei bioenergetische Kräfte, die Doshas, sind demnach in jedem von uns in unterschiedlichem Ausmaß vorhanden. Wir erklären die unterschiedlichen Charakteristika, ihre Zusammenhänge und Ausgleichsmöglichkeiten. Wo erkennen Sie sich wieder?

Tridosha: Die Basis unserer Konstitution

Unter Tridosha werden im Ayurveda die Doshas Vata, Pitta und Kapha verstanden. Das sind bioenergetische Kräfte, welche die fünf Elemente des indischen Systems enthalten. Während Vata für die Elemente Luft und Raum steht, enthält Pitta das Feuer. Kapha entspricht der Energie von Wasser und der Erde. Den Elementen, respektive den Doshas, werden entsprechende Charaktereigenschaften zugeordnet, die in unserer individuellen Physis und Persönlichkeit ihre Ausprägung finden. Wollen Sie noch mehr über die Eigenschaften der Doshas und die Hintergründe des Ayurveda erfahren, lesen Sie in unserem Artikel „Mit Ayurveda das individuelle Gleichgewicht leben“ weiter. Dort haben wir auch hilfreiche Tipps für Sie parat, wie Sie die ayurvedische Lebensweise in Ihren Alltag integrieren können.

Vata-Typ: Ein ideenreicher Geist in einem schmalen Körper

Körper:

Ist bei den drei Doshas das Vata-Element vorherrschend, spiegelt sich das in einem feingliedrigen und dünnen Körper wider. Die Haut und die Haare sind tendenziell trocken und dünn. Die Haut zusätzlich auch rau. Die Augen sind klein und nervös. Die Nägel neigen zur Brüchigkeit und die Gelenke knacken leicht. Vata-Typen haben einen unregelmäßigen Appetit und ein schwach ausgeprägtes Durstgefühl. Sie neigen zu Beschwerden mit dem Nervensystem.

Persönlichkeit:

Vata-dominierende Menschen sind oft hyperaktiv. Sie haben eine nervöse Grundstimmung, kommen schwer zur Ruhe und sind rasch erschöpft. Sie sprechen schnell und viel und können sich neuen Situationen schnell anpassen. Klare Strukturen und Monotonie lehnen Sie hingegen ab. Sie sind ideenreich, vielseitig begabt und spontan. Vata-Typen kommen mit Reizüberflutung und Schnelllebigkeit, so wie sie in unserer modernen Welt oft vorkommen, eher schwer zurecht. Er hat ein gutes Körperbewusstsein, eine hohe Bewegungsfreude und eine gute Intuition. Auch Feinfühligkeit und Sensibilität sowie eine hohe Kommunikationsfähigkeit zeichnen den Vata-Typ aus.

Beruf:

Die genannten Eigenschaften lassen Vata-dominante Menschen oft künstlerische Berufe wie Designer, Musiker, Autor oder Tänzer ausüben. Aber auch als Dolmetscher, Forscher, Architekt oder im Marketing können sie ihre Berufung finden.

Herrscht Vata im Übermaß vor, können all die positiven Eigenschaften überhandnehmen und im Übermaß vorherrschen. So kann das Ideenreichtum zu Zerstreutheit führen oder sich die Nervosität und Rastlosigkeit in Schlafstörungen und Stimmungsschwankungen äußern.

Ernährungstechnisch können Vata-Typen ihre Gesundheit mit regelmäßigen, warmen Mahlzeiten unterstützen. Die Speisen dürfen ruhig schärfer gewürzt sein, um den Appetit anzuregen. Nüsse, Samen, Fleisch und Fisch wirken sich auf diesen Konstitutionstyp positiv aus.

Die Körperkonstitutionen im Ayurveda nach den charakteristischen Merkmalen der drei Doshas.
Die Körperkonstitutionen im Ayurveda nach den charakteristischen Merkmalen der drei Doshas.

Pitta-Typ: Ehrgeizig und treffsicher erreicht er seine Ziele

Körper:

Im Pitta-Typ spiegelt sich das Feuer-Element wider. Körperlich zeigt sich das in einer mittleren Statur und Figur. Die Haut glänzt eher und ölig. Die Augen sind klar und durchdringend. Die Haare eher dünn und neigen dazu, schnell fettig zu sein. Die Nägel sind weiß und rosa und die Gelenke locker. Die Durchblutung und die Verdauung funktionieren beim Pitta-Typ tendenziell sehr gut. Sie haben einen starken Appetit und Durst und können stark schwitzen.

Persönlichkeit:

Pitta-dominante Menschen sind gerne aktiv, willensstark und zielorientiert. Sie sind charismatisch, wirken sicher auf andere Menschen und können diese gut motivieren. Sie gehen in ihrem Schaffen klar und strukturiert vor, lieben die Ordnung und ihrer Aufmerksamkeit entgeht nichts. Durchsetzungsvermögen, Selbständigkeit und ein analytischer Verstand zeichnen sie darüber hinaus aus.

Beruf:

Menschen, bei denen die Pitta-Qualität vorherrschend ist finden sich oft in Berufen wie Verkäufer, Lehrer, Arzt, Unternehmer, Sportler, Polizist, Pilot oder Programmierer.

Nimmt die Pitta-Qualität überhand kann sich dies in übertriebenem Ehrgeiz und Aggression zeigen. Überzogene kritische Äußerungen sowie Zorn und Streitsucht können auch die Folge sein. Da Pitta für die Kraft der Verdauung und der Verwandlung steht, haben Pitta-betonte Menschen regelmäßig großen Hunger und eine gute Verdauung. Ernährungstechnisch sind vor allem milde und leichte Speisen empfehlenswert. Vollkornprodukte, Butter und kühles Quellwasser werden gut vertragen.

Kapha-Typ: Bodenständig und geduldig gibt er nicht so schnell auf

Körper:

Die Kapha-Qualität repräsentiert den körperlichen Speicher für Pitta und Vata, also Energie und Wärme, und gleicht die beiden anderen Doshas aus. Ein klassischer Kapha-Typ hat einen tendenziell stämmigen Körperbau. Seine Haut ist blass, kühl und dick. Er hat große Augen, dichtes, glänzendes Haar und kräftige Gelenke. Appetit und Durstgefühl entsprechen dem Durchschnitt. Sie haben eine hohe Ausdauer – körperliche wie mental – und ein großes Schlafbedürfnis.

Persönlichkeit:

Kapha-betonte Menschen sprechen langsam, sind warmherzig und empathisch. Für sie ist es oft schwer, sich von anderen abzugrenzen. Sie sind nicht leicht zu motivieren und fühlen sich in der Ruhe und Kontinuität am wohlsten. Veränderungen können eine große Herausforderung für sie darstellen. Sie sind freundliche, gesellige Zeitgenossen und strahlen Gelassenheit aus.

Beruf:

Durch diese Persönlichkeitszüge ist er oft in sozialen Berufen zu finden oder übt Tätigkeiten aus, die im Dienste des Menschen stehen. Er findet seine Berufung als Krankenpfleger, Heilpraktiker, Pädagoge, Physio- und Psychotherapeut oder aber auch als Geschäftsführer oder als selbständig Arbeitender.

Ist die Kapha-Qualität überdimensional ausgeprägt, kann sich das in körperlicher und psychischer Trägheit zeigen. Der Körper von Kapha-dominanten Menschen kann Nährstoffe grundsätzlich sehr gut aufnehmen. Besonders zu empfehlen sind gedämpftes Gemüse und generell gut gewürzte Speisen.

Die Quelle der Kraft liegt im Ausgleich der Doshas

Aufgrund unserer tagtäglichen Herausforderungen im Alltag geprägt von vielen Terminen, zu wenig Bewegung und echter Entspannung sowie einer mangelhaften Ernährung kombiniert mit unseren individuellen Persönlichkeitsausprägungen, ist der Weg optimal geebnet, dass sich ein Dosha leicht im Übermaß ausprägt. Für Ayurvedatherapeuten stellt sich die Herausforderung, die Qualitäten im Rahmen der Behandlung stets auszugleichen. Was von dem einen zu viel vorhanden ist, ist von dem anderen zu wenig da. Die Frage, was braucht es, um wieder ins Gleichgewicht zu kommen, steht im Zentrum ihres Tuns.

Sind die Dosha-Qualitäten jeweils im Übermaß vorhanden, kann sich das folgendermaßen zeigen: Während sich eine Vata-Überbetonung in Hyperaktivität und Zerstreutheit äußern kann, zeigt sich der Pitta-Typ über das gesunde Ausmaß hinaus verbissen und ehrgeizig. Der Kapha-Typ hingegen wird ausgesprochen träge und findet keine Motivation mehr. Ziel des Ayurveda ist es, immer wieder in die ursprüngliche „Essenz“-Qualität der Doshas zurückzufinden. Bei Vata ist dies die Leichtigkeit (Prana), bei Pitta die Kraft (Tejas) und bei Kapha die Ruhe (Ojas).

Ayurvedisch essen: Viel mehr als eine Auswahl von Lebensmitteln

Den Spruch „Du bist, was du isst“ kennen wir wohl alle. Auch wir haben uns schon genauer damit befasst, wie sich unsere Ernährung auf uns beziehungsweise unseren Darm im Detail auswirkt. Klar ist, dass unterschiedliche Lebensmittel unterschiedliche (Aus-)Wirkungen auf unseren Körper und unser Wohlbefinden im Allgemeinen haben. Ayurveda geht den Weg aber weiter und fragt nicht nur nach den Lebensmitteln, sondern auch nach weiteren Aspekten, wenn es um die Essensaufnahme geht. Dana Schwandt hat in Ihrem Buch „Dein Neuanfang mit Ayurveda“ acht Faktoren gesunder Ernährung definiert:

  1. Faktor: Zeit – Wann nehmen Sie die Mahlzeit zu sich?
  2. Faktor: Essensgewohnheiten – Wie nehmen Sie das Essen zu sich?
  3. Faktor: Gefühle – Wie fühlen Sie sich beim Essen?
  4. Faktor: Menge – Wie viel essen Sie?
  5. Faktor: Herkunft – Woher kommt Ihre Nahrung?
  6. Faktor: Zubereitungsform – Wie bereiten Sie die Nahrung zu?
  7. Faktor: Kombination – Wie stellen Sie Ihre Nahrungsmittel zusammen?
  8. Faktor: Wer isst was – Passt das Essen zu Ihrem Dosha-Konstitutionstyp?

Obwohl diese acht Faktoren die Nahrungsaufnahme im ersten Blick komplexer erscheinen lassen, steckt dahinter ein ausgeklügeltes System, das es uns letztlich leichter macht. Haben wir unseren individuellen Konstitutionstyp und die ayurvedischen Basics einmal verinnerlicht, können wir gemäß der ayurvedischen Lehre alle Lebensmittel ohne Reue genießen. Wenn Sie tiefer in diese Materie eintauchen wollen, empfehlen wir Ihnen, im Buch weiterzulesen, das 2020 in seiner 4. Auflage im riva Verlag erschienen ist.

Kräuter sind ein fixer Bestandteil der ayurvedischen Küche. Sie spielen eine wichtige Rolle bei der Zubereitung von Lebensmitteln.
Kräuter sind ein fixer Bestandteil der ayurvedischen Küche. Sie spielen eine wichtige Rolle bei der Zubereitung von Lebensmitteln.

Ziel: Die Freude am Leben stets zu bewahren

Als Lebenswissenschaft hat Ayurveda zum Ziel, das individuelle Gleichgewicht zu finden und zu leben. Wie dieses aussehen kann, hängt von unseren Dosha-Ausprägungen ab und was diese benötigen, um im Gleichgewicht zu sein. Fühlen wir uns ausgeglichen, sind wir guter Stimmung, fühlen uns gut in uns verankert und können uns im gesunden Ausmaß an den schönen Dingen des Lebens erfreuen. Unsere persönliche Resilienz ist hoch, was uns die Herausforderungen im Alltag gut meistern lässt. Sie ist von folgenden drei Grundpfeilern abhängig:

  1. Gesundheit und Wohlbefinden von Körper, Geist und Seele: Dieser Aspekt ist wiederum abhängig davon, was wir essen, ob wir uns ausreichend bewegen, gut entspannen können und in unserem natürlichen Biorhythmus leben.
  2. Eine tiefe Verbindung zu uns nahestehenden Menschen: Enge Beziehungen zu Freunden und zu unserer Familie, aber auch berufliche Verbindungen können darunter fallen.
  3. Lebensfreude und Zufriedenheit: Hier steht die Verbindung zu uns selbst im Vordergrund und dem, was unserem Leben Sinn verleiht, sowie unser Zugang zur Spiritualität.

Stehen diese drei Grundpfeiler im Einklang miteinander, ist es uns möglich, ein erfülltes Leben voller Freude zu genießen. Gewiss, es ist nicht der Anspruch des Ayurveda, stets in guter Stimmung zu sein. Denn das Leben zeichnet sich dadurch aus, dass es seine Höhen und Tiefen hat, einmal läuft es mehr, einmal weniger. Entscheidend ist dabei, wie gut es uns gelingt, das Schöne im Leben wahrzunehmen und wie innerlich gefestigt wir sind, auch übermäßigen Herausforderungen und Negativem standhalten zu können. Diese drei Bereiche in Einklang zu bringen und halten zu können gleicht sicherlich einem täglichen Drahtseilakt. Die Belohnung, die wir dafür bekommen, nämlich ein freudvolles und erfülltes Leben, sollte uns aber die Anstrengung Wert sein, die es oft bedeutet, trotz allen Widrigkeiten gut auf uns selbst und unsere Mitmenschen zu schauen.


Quellen:

  • Welsch Isabella, 2013, Yoga typgerecht - Die fünf Elemente in der Yoga-Praxis, maudrich Verlag, Wien
  • Scharfenberg Janna, Dr., 2019, Ayurveda For Life Planer, Südwest Verlag, München
  • www.ayurvedaben.com, Entfalte dich und komm wieder in Balance
  • Schwandt Dana, 2020, Dein Neuanfang mit Ayurveda - Wie du deinen Stoffwechsel optimierst und dich wieder ins Gleichgewicht bringst, 4. Auflage, riva Verlag, München

 

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