Frau genießt Essen und hält eine Gabel in der Hand
11.12.2020

Macht Superfood schön?

Text: Verena Radlinger

Kann man den unzähligen Berichten über Superfood Glauben schenken? Wir haben uns das genau angesehen und zeigen welche Lebensmittel wirklich unsere Gesundheit fördern und Einfluss auf unser Erscheinungsbild nehmen.

Gleich vorweg die schlechte Nachricht: „Superfood“ ist ein Modewort und die Idee fast ausschließlich ein Marketing-Instrument. Warum dieser Hype entstanden ist, kann man nicht ganz genau nachvollziehen. Eine große Rolle dürfte aber die gesteigerte Nachfrage von gesunder Ernährung und Gesundheit im Allgemeinen spielen – vor allem in den Industriestaaten. Prinzipiell gesehen eine großartige Sache. Obwohl Studien eine gesundheitsfördernde Wirkung von einigen Lebensmitteln bewiesen haben, können die Ergebnisse nicht wirklich auf unsere reale Ernährungsweise umgelegt werden. Der Begriff „Superfood“ selbst wurde schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts verwendet, ist aber erst seit einigen Jahren aus unserer Allgemeinsprache nicht mehr wegzudenken.

Eine fachliche Definition gibt es nicht. Eines der wichtigsten Wörterbücher unserer Zeit ist das Oxford English Dictionary. Darin wird der Begriff beschrieben als „ein nährstoffreiches Lebensmittel, das als für Gesundheit und Wohlbefinden besonders förderlich erachtet wird“. Aufmerksamkeit sollte hier das Wort ERACHTET bekommen. Das Wörterbuch Merriam-Webster’s Collegiate Dictionary verzichtet hingegen auf den Verweis auf die Gesundheit und sagt, Superfood ist „ein äußerst nährstoffreiches Nahrungsmittel, vollgepackt mit Vitaminen, Mineralien, Ballaststoffen, Antioxidantien (Radikalfänger) und/oder Phytonährstoffen (pflanzliche Nährstoffe)“.

Antioxidantien sind Moleküle, die die Körperzellen vor schädlichen freien Radikalen schützen. Stellen Sie sich das wie Ihre körpereigene Polizei vor. Jeder unerwünschte Eindringling wird festgenommen und bestenfalls schnell wieder aus dem Land, sprich Ihren Körper, gebracht. Außerdem wird natürlich auch das Landesinnere observiert, hält sich jemand nicht an die Gesetze des Körpers, wird er eingefangen und unschädlich gemacht. Freie Radikale können von außen kommen, beispielsweise durch verschmutzte Luft, Zigarettenrauch oder Alkohol. Sie entstehen aber auch auf natürliche Weise beim Stoffwechsel im Körper. Zu viele freie Radikale im Körper können oxidativen Stress auslösen, der wiederum die Zellen angreift. Dazu noch mehr beim Nährstoff Selen - lesen Sie weiter!

Es gibt also keinen Nachweis, dass „Superfood“ uns den Gesundheitskick gibt, der oft versprochen wird. Deshalb ist es wichtig, dass man die Tatsachen und Erkenntnisse sorgfältig betrachtet.

Jetzt zur guten Nachricht. Es gibt Nahrungsmittel, die wissenschaftlich nachgewiesen eine gesundheitsfördernde Wirkung haben und unser Wohlbefinden steigern können.

Beta-Carotin für den perfekten Teint

Beta-Carotin (auch Provitamin A genannt) gehört, wie der Name schon sagt, zu den Carotinoiden, einer Gruppe natürlicher Farbstoffe und ist die Vorstufe von Vitamin A. Im Körper hat dieses wichtige Aufgaben beim Sehvorgang und dem Aufbau der Schleimhäute. Die meisten kennen aber die Carotinoide in Bezug auf die Sommerbräune. Der Farbstoff verleiht nicht nur einigen Lebensmitteln ihre charakteristische Farbe, sondern hat auch Auswirkungen auf unsere Haut. Nehmen wir genug Beta-Carotin auf, legt der Körper einen Vorrat an. Dieser wird unter anderem auch in unserer Haut gelagert. So unterstützt er eine langanhaltende und vor allem gesunde Bräune. Den Sonnenschutz ersetzt es aber nicht, ganz im Gegenteil zerstört direkte Sonneneinstrahlung Carotinoid in unserer Haut. Übrigens: Sonnenbaden ohne Eincremen lässt unsere Haut schneller altern! Dazu erfahren Sie mehr in unserem Artikel "Hautalterung stoppen: Diese Methoden helfen wirklich".

Täglich sind ungefähr zwei bis vier Milligramm empfohlen, aber Achtung: Zu viel kann wieder gesundheitsschädlich sein. Besser aufgenommen werden kann Beta-Carotin in Form von Brei oder Saft. Auch eine gleichzeitige Einnahme von etwas Fett hilft dem Körper bei der Weiterverarbeitung.

Lebensmittel mit viel Beta-Carotin: Karotten, Rucola, Fenchel, Kürbis, Grünkohl, Feldsalat, Spinat, Löwenzahnblätter, Hagebutte, Zuckermelone, Sanddornbeeren, Süßkartoffeln.

Magnesium und der Schönheitsschlaf

Immer dieses Märchen vom Schönheitsschlaf – Aufgepasst, es gibt ihn wirklich! Der Körper ist so programmiert, dass er die zum Schlafen nicht dringend notwendigen Funktionen herunterfährt und sich dadurch auf die Regeneration und ähnlichen Prozessen konzentrieren kann. Damit werden auch die Zellen in unserer Haut gestärkt und unser Erscheinungsbild „verschönert“. Bei zu wenig Schlaf steht es uns buchstäblich auf die Stirn geschrieben. Gönnen wir uns nicht genug Schönheitsschlaf, sieht man das nämlich sofort durch blasse und matte Haut im gesamten Gesicht.

Der Mineralstoff Magnesium fördert zudem die Serotonin-Produktion und das wichtige Schlafhormon Melatonin wird aus diesem sogenannten Wachhormon gebildet. Melatonin steuert den Tag-Nacht-Rhythmus des Körpers und wird hauptsächlich in der Zirbeldrüse (Epiphyse) im Gehirn synthetisiert, aber auch in der Netzhaut des Auges, weshalb unser Körper bei Dunkelheit die Melatoninbildung anregt und bei Tageslicht hemmt. Geringe Anteile werden allerdings auch im Darm gebildet. Magnesium hilft, die Muskeln zu entspannen und Krämpfen vorzubeugen.

Lebensmittel mit viel Magnesium: Weizenkleie, Haferflocken, Sonnenblumen- und Kürbiskerne, Fenchel, Spinat, Kohlrabi, Seelachs, Garnelen, Bananen, Feigen, Brombeeren und Himbeeren.

Zink gegen Unreinheiten

Prinzipiell können Pickel verschiedene Ursachen haben. Ein möglicher Auslöser kann auch ein Mangel von Zink sein. Denn das Spurenelement regelt die Produktion von Talg und hat eine antibakterielle Wirkung auf Entzündungen – damit auch auf Pickel und andere rote Fleckchen. Unser Körper kann Zink aber nicht selbst herstellen und ist somit auf die Zufuhr durch die Ernährung angewiesen. Eine weitere Superkraft des Spurenelements: es stärkt das Immunsystem, weshalb Zink besonders bei den ersten Anzeichen einer Erkältung enorm wichtig ist.

Lebensmittel mit viel Zink: Linsen, Sojabohnen, Nüsse, Knäckebrot, Weizenmischbrot, Leber, Niere, Rindfleisch, Garnelen, Vollmilch und Hartkäse, hier besonders Tilsiter, Emmentaler und Gouda.

Selen gegen das Altern

Dieses Spurenelement können wir ebenfalls nicht selbst produzieren und muss somit über die Nahrung aufgenommen werden. Unmittelbar nach der Selenaufnahme fährt der Organismus alle Prozesse hoch um uns aus dem Inneren zu schützen – vor allem vor den „freien Radikalen“. Ganz geklärt ist es allerdings noch nicht, wie freie Radikale genau auf den Organismus wirken.

Die Theorie der freien Radikale oder auch Freie-Radikale-Theorie ist ein Erklärungsmodell für das Altern aller Organismen. Freie Radikale sollen infolge von Stoffwechselprozessen aus dem Sauerstoff in Zellen entstehen. Dass diese kurzlebigen Molekülfragmente Einfluss auf eine Reihe von Prozessen eine wichtige Rolle spielen, ist nachgewiesen. Bereits 1956 stellte der US-amerikanische Biogerontologe Denham Harman  die These auf, dass diese freien Radikale die Ursache des Alterungsprozesses sind. Mit ihrer Freisetzung schädigen die freien Radikale wichtige Moleküle für die Funktion der Zelle. Der These nach soll es dadurch zu einer stetig wachsenden Ansammlung von geschädigten Zellkomponenten kommen, was wiederum den Alterungsprozess beeinflusst. Zusammenfassend kann man also sagen, dass freie Radikale uns Altern lassen können und Selen sie bekämpfen kann.

Lebensmittel mit viel Selen-Gehalt: Weizenkleie, weiße Bohnen, Linsen, Sojabohnen, Schweineleber, Rindfleisch, in vielen Fischsorten, Garnelen, Spargel, Paranüsse, Walnüsse und Kokosnüssen.

Diejenigen, die nicht mit vollem und gesundem Haar gesegnet sind, können ihren Haaren mit Biotin und Eisen etwas Gutes tun.
Diejenigen, die nicht mit vollem und gesundem Haar gesegnet sind, können ihren Haaren mit Biotin und Eisen etwas Gutes tun.

Eisen: Du hast die Haare schön

Vorrangig brauchen wir das Spurenelement für das Funktionieren unseres Blutkreislaufs. Es ist Bestandteil des Blutfarbstoffs Hämoglobin und sorgt dafür, dass der eingeatmete Sauerstoff sich an die Zellen bindet. Dadurch kommt der lebenswichtige Sauerstoff an alle Stellen in unseren Körper. Denn alle Zellen benötigen Sauerstoff, um ihre jeweiligen Prozesse ausführen zu können. Besonders Frauen sollten während der Menstruation auf eisenhaltige Lebensmittel achten. Der Blutverlust vermindert nämlich die Eisenversorgung. Wenn zu wenig Eisen im Organismus ist, kann sich das mit brüchigen Nägeln und Haarausfall zeigen. Also nichts mit „Du hast die Haare schön“.

Lebensmittel mit viel Eisen: Hirse, Knäckebrot, Haferflocken, Weizenkeime, Kichererbsen, Linsen, Schwarzwurzel, Schweineleber und -niere, Sardellen, Miesmuscheln, Spinat, Kürbiskerne, Pistazien, getrocknete Aprikosen, Datteln und Feigen.

Biotin für schöne Haut und gesundes Haar

Biotin ist ein wasserlösliches B-Vitamin (Vitamin B7 oder auch Vitamin H genannt) und beschleunigt den Regenerationsvorgang unserer Zellen. Damit ist es der Booster für ein straffes Hautbild und lässt das Gesicht so richtig frisch aussehen. Eine weitere großartige Eigenschaft ist, dass es die Keratin-Produktion unterstützt und damit das Haarwachstum. Das Multitalent in Sachen Schönheit soll auch gegen brüchige Fingernägel helfen.

Lebensmittel mit viel Biotin: Speisekleie, Erbsen, Haferflocken, Ei, Hefe, Sojabohnen, Nüsse, Schweineleber, Niere, Topfen, Vollmilch.

Kalium setzt Cellulite matt

Die ungeliebte Orangenhaut, oder Cellulite genannt, zeigt sich meistens mit kleinen Dellen an Oberschenkel und Hintern. Sie entstehen meistens durch die Anlagerung von Fett im Bindegewebe, also nichts mehr mit straffer Haut. Auch Wassereinlagerungen oder eine schlechte Durchblutung können die kleinen Vertiefungen hervorrufen. Durch seine entschlackende und entwässernde Wirkung wirkt Kalium dem entgegen. Das lebensnotwendige Mengenelement stärkt in Kombination mit Vitamin C das Bindegewebe und treibt die Fettverbrennung an.

Lebensmittel mit viel Kalium: Weizenkleie, Knäckebrot, Forelle, Gans, Fenchel, Petersilie, Meerrettich, Champignons, getrocknete Steinpilze, Mandeln, Pistazien, Kürbiskerne, Himbeeren oder Johannisbeeren.

YOLO FAZIT

Kann man den unzähligen Berichten über Superfood Glauben schenken?

Ja und Nein! Der Begriff „Superfood“ wird so häufig verwendet und könnte dadurch den Eindruck vermitteln, dass nur die angegebenen Lebensmittel gesund sind. Meistens werden diese Nahrungsmittel auch mit Schlankmachern oder Fettkillern angepriesen. Sich aber einseitig zu ernähren, hilft aber definitiv nicht beim Abnehmen.

Gibt es überhaupt Lebensmittel, die unsere Gesundheit sichern und uns unfassbar schön machen?

Ja, es gibt Lebensmittel, die unsere Gesundheit fördern beziehungsweise unterstützen können. Ist der Körper optimal versorgt, arbeitet er am besten. Er kann dadurch Probleme oder auch Krankheiten besser entgegentreten und damit auch die Alterung verzögern. Er hält das Bindegewebe stark, womit ein schönes und vor allem gesundes Erscheinungsbild besser bewerkstelligt werden kann. Ein höherer täglicher Verzehr verschiedener Obst- und Gemüsesorten steigert generell das allgemeine Wohlbefinden erheblich.

Und welches Superfood soll es sein?

Meistens werden nur exotische Superfoods aufgelistet, dabei finden wir die gleichen Vorteile auch in heimischen Lebensmitteln. Äpfel und Zwiebeln beispielsweise enthalten viele gesundheitsfördernde Nährstoffe. Vollkornvarianten von Nahrungsmitteln sind reich an Ballaststoffen. Man darf auch nicht vergessen, dass der Körper ein ausgeklügeltes System ist, der genau weiß, was er braucht. Leider haben wir aber verlernt, seine Signale wahrzunehmen. Warum es wichtig ist auf die innere Stimme zu hören und warum wir öfter auf unsere Intuition vertrauen sollten, erfahren Sie in unserem Artikel "Hallo, hier spricht Ihre Intuition"!

Wissenwertes für Sie

Gesunde Haut: Natur pur für
ein strahlendes Aussehen

Wie ist es möglich, dass unsere Haut einerseits Wirkstoffe aufnehmen kann, uns aber andererseits auch wirkungsvoll gegenüber ungewollten Umwelteinflüssen abschirmt? Anhand der Funktionsweise wird deutlich, worauf Sie beim Kauf von Kosmetikprodukten achten sollten, um Ihrer Haut tatsächlich etwas Gutes zu tun. Naturkosmetik ist gegenüber synthetisch hergestellten Produkten oft vorteilhaft.

Hautpflege: Wie Naturkosmetik
die Haut entspannt

Wie viel Pflege braucht die Haut? Eine gesunde, schöne Haut gilt als Symbol für Jugendlichkeit und Attraktivität. Neben unserem Lebensstil spielt dabei auch die Pflege eine wichtige Rolle. Wir gehen der Frage nach, wie viel Pflege für die Haut tatsächlich nötig ist und wie Sie mit Naturkosmetik Ihre Hautgesundheit unterstützen können.

Hautalterung stoppen:
Diese Methoden helfen wirklich

Für immer jung! Keine Fältchen, Fleckchen oder sonstigen Alterserscheinungen sind zu sehen auf Ihrer Haut – das wär’s, oder? Träumen dürfen Sie ja, aber wir alle werden nun mal älter! Eigentlich wollen wir ja alle alt werden, jedoch nicht unbedingt alt aussehen. Wir haben daher die derzeit besten Methoden zur Hautverjüngung unter die Lupe genommen und verraten Ihnen, welche Maßnahmen wirklich etwas bringen und welche Rolle die tägliche Hautpflege spielt.